Ihr alle seid Könige" - Vesperkirche Augsburg setzt Zeichen der SOLIDARITÄT und verabschiedet sich bis 2027
Gemeinsame Pressemitteilung von Diakonie und Caritas
Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst ist die diesjährige Augsburger Vesperkirche am Sonntag, den 15. März in der St. Paul Kirche zu Ende gegangen. Zwei Wochen hieß es wieder "... alle an einem Tisch". Wie schon im Vorjahr folgten dem Aufruf rund 7.700 Gäste.
Vesperkirche der Superlative
500 haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, boten mit ihren grünen Schürzen ein warmes Mittagessen für einen Euro an. Künstler, soziale Einrichtungen und Dienstleister engagierten sich im Rahmenprogramm, bei Beratung und Konzerten in insgesamt 76 Angeboten.7000 Flaschen Limo, Mineralwasser, Spezi und Apfelschorle wurden serviert. 6000 warme Essen, 500 Kilo Äpfel und viele selbstgebackene und gespendete Kuchen wurden verspeist.
Unkomplizierte Beratung von Diakonie und Caritas
Den Blick hinter die Kulissen kennt der Caritasdirektor der Diözese Augsburg, Diakon Markus Müller. Er freut sich, bei der Vesperkirche als Mitveranstalter und Kooperationspartner dabei sein zu dürfen. Mit Mitarbeitenden seiner Einrichtung unterstützt er das Team und betont einen wichtigen sozialen Aspekt der Vesperkirche. Sie sei eine große Chance, Menschen in Not besser zu erreichen, sie zu beraten und zu unterstützen. Große Sorgen seien vor allem Existenzangst, die Versorgung der Familie, Wohnen, Arbeit und die gesellschaftliche Teilhabe.
"Armut, Bedrohung und Einsamkeit sind zwar mitten in unserer Gesellschaft, aber doch oft versteckt. Manche Betroffenen schämen sich deshalb, eine Beratungsstelle aufzusuchen", so Müller. "Gerade deshalb ist die Vesperkirche so ein wichtiger Ort der Begegnung, um ganz unkompliziert mit Diakonie und Caritas ins Gespräch zu kommen."
Ihr alle seid Könige, so wie ihr hierhergekommen seid
In seiner Predigt zum Abschluss der Vesperkirche bezog sich Pfarrer Fritz Graßmann, Vorstand im Diakonischen Werk Augsburg, noch einmal auf das Begleitprojekt "Sieben Wochen Königlich". 15 Tag waren drei geschnitzte Königsfiguren zu Gast bei der Vesperkirche. "Still, aber, wie ich finde, mit einer großen inneren Kraft. Und mit einer starken Botschaft: Ihr alle seid Könige, so wie ihr hierhergekommen seid. Die Mühseligen und Beladenen genau wie die, die gar nicht genug tragen können. Die Einsamen genau wie die, die hier von Freund zu Freundin gehen konnten, weil sie so viele kennen und beliebt sind. Die Mächtigen - und es ist gut, wenn sie hierherkommen und sich ansprechbar machen - und die, die sich schwertun. Denen das Leben entglitten ist. Die große Mühe haben, gehört zu werden. Die sehr oft übersehen werden im strahlenden Licht der anderen, so wie diese etwas unscheinbaren Könige hier vorne."
Weil wir alle Könige sind, darf sich keiner vordrängeln
Jede und jeder werde begrüßt, wenn er hereinkomme. Jede und jeder bekomme sein Getränk an den Platz gebracht. "Wir alle sind Könige: Aber weil wir es alle sind, darf sich keiner den Vortritt nehmen", so Graßmann. "Wir stehen nebeneinander in der Schlange und keiner bekommt sein Essen ohne einen blauen Chip. Auch der Dekan nicht oder die Oberbürgermeisterin". Die einzigen, die an der Schlange vorbei bedient würden, seien die, die nicht mehr so lange stehen könnten. "Wir alle sind Könige und suchen uns unseren Platz. Und sitzen hier neben Menschen, die wir noch nie gesehen haben. Mit denen wir vielleicht auch nie geredet hätten. Jetzt wünschen wir uns einen guten Appetit, sehen uns in die Augen und unterhalten uns. Und nehmen uns ernst."
Gut für die Stimmung: Kein Nachschlag mehr beim Essen
Für Graßmann war die diesjährige Vesperkirche die beste bisher. "Ich bin wirklich begeistert und hoch zufrieden. Ich finde, die positive Stimmung hat sich weitergetragen." Das liege auch daran, dass alles noch ein bisschen besser organisiert sei als in den beiden Jahren zuvor. Es laufe ruhiger und gelassener ab. "Im letzten Jahr habe ich mir Sorgen gemacht, dass die Stimmung kippen könnte und jeder schaut, dass der andere ihm nichts wegisst. Das haben wir gut in den Griff bekommen dadurch, dass es jetzt keinen Nachschlag mehr gibt. Und trotzdem habe ich das Gefühl, die Leute merken, sie verhungern hier nicht, es kriegt ja jeder was, es geht keiner ohne Essen weg und das tut gut."
Beate Schabert-Zeidler, die sich als Ehrenamtliche engagiert, pflichtet dem bei. "Die entspanntere Stimmung überträgt sich auch auf uns Mitarbeitende. Wir lachen oft, sind fröhlich dabei und man hat das Gefühl: ich arbeite hier gerne mit."
Verirrte Tauben und defekte Toiletten
Die Veranstalter hatten aber trotzdem mit etlichen Herausforderungen zu kämpfen, die sie an ihre Grenzen brachten: Kurzfristig fielen drei Personen in der Tagesleitung aus, die glücklicherweise qualifiziert ersetzt werden konnten. Außerdem gab es Probleme mit den Toiletten, die kurz vor dem Wochenende auf die Schnelle von Handwerkern wieder in Stand gesetzt werden mussten. Als das erledigt war, hatten sich zwei Tauben im Kirchenraum verirrt. "Wir haben drei Stunden gebraucht, bis wir die wieder draußen hatten", berichtet die Pfarrerin von St. Paul, Marianne Werr. "Mit Unvorhergesehenem müsse man halt rechnen."
Bei zum nächsten Jahr verabschieden sich jetzt die grünen Schürzen. Die nächste Vesperkirche findet statt vom 21. Februar bis 07. März 202
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