Sozialpsychiatrischer Dienst der Caritas in Neu-Ulm feiert 15-jähriges Jubiläum - Caritasdirektor Müller: "Hilfe anzunehmen, ist keine Schande"
Neu-Ulm, 10.09.2026 (pca). Die alleinerziehende Frau, über 40 Jahre alt, litt seit Jahren unter schweren Depressionen. Sie hatte finanzielle Sorgen. Angst vor einer anstehenden Operation peinigte sie. Erledigen konnte sie nichts mehr. Die Frau hatte jegliche Hoffnung verloren. Aber sie machte einen Schritt, der bewies, dass sie das Vertrauen in das Leben noch nicht verloren hatte. Sie suchte den Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas in Neu-Ulm auf. Ihr Berater eröffnete dann gemeinsam mit ihr Schritt für Schritt Handlungsspielräume. "Hilfe anzunehmen, ist keine Schande", sagte der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller bei der 15-Jahrfeier der Caritas-Beratungsstelle.
Die Beratungsstelle ist gefragt: Die Alleinerziehende ist eine von den 290 Frauen und 171 Männern, die den Sozialpsychiatrischen Dienst zur Beratung aufsuchten. 66 unter ihnen, um sich beraten zu lassen, wie sie mit den psychischen Erkrankungen ihrer Angehörigen am besten umgehen können. Depressionen, Familien- und Partnerschaftsproblem und Angstzustände sind die meistgenannten Probleme der Ratsuchenden. Aber auch Opfer sexualisierter Gewalt suchen die Caritas in Neu-Ulm auf. Eine junge Frau litt deshalb unter Flashbacks, Schlafproblemen und Depressionen. Dank ihrer Beraterin Hannah Böck erlernte sie Strategien dafür, was sie tun könne, wenn sie Flashbacks ereilen. Gemeinsam erstellten sie einen Notfallkoffer mit Tipps und praktischen Gegenständen, die ihr halfen.
Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller warb im Wortgottesdienst dafür, Stigmatisierungen und Ausgrenzungen zu überwinden: „Wir alle sollten vielmehr Ausschau halten nach den verborgenen kostbaren Schätzen und Perlen in jedem Leben.“Bernhard Gattner
Caritasdirektor Müller warb bei der Feier für einen anderen Blick auf psychische Erkrankungen - der Erkrankten selbst wie auch des Umfeldes. "Das Leben erscheint wie ein unwegsamer, brachliegender ausgetrockneter Acker. Aber die Perle jedes Menschen, seine Würde, bleibe unberührt und unbeschadet, auch wenn sie verborgen erscheint." Müller appellierte dafür, Stigmatisierungen und Ausgrenzungen Betroffener zu überwinden. "Wir alle sollten vielmehr Ausschau halten nach den verborgenen kostbaren Schätzen und Perlen in jedem Leben."
Gegen jegliche Form der Stigmatisierung psychisch Erkrankter sprach sich bei der Feier auch die Bezirksrätin Katja Ölberger aus. Sie erinnerte daran, dass jede und jeder Dritte einmal im Laufe des Jahres psychisch erkranke. Der Beratungsdienst der Caritas sei deshalb von "enormer Bedeutung für die Gesellschaft". Trotz der finanziell schwierigen Lage wolle der Bezirk Schwaben als Kostenträger des Sozialpsychiatrischen Dienstes seinen Beitrag dazu leisten, diesen gesellschaftlichen Auftrag aufrechtzuerhalten.
Unverzichtbarer Partner der Stadt
Die Arbeit nutzt nicht nur dem Betroffenen, sondern der ganzen Gesellschaft. Das unterstrich Johannes Stingl, zweiter Bürgermeister der Stadt Neu-Ulm. Die Fallzahlen von psychischen Erkrankungen steigen, auch bei Kindern und Jugendlichen, sagte er. Den Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas nannte er einen "unverzichtbaren Partner der Stadt" gehöre. Dank dessen Hilfe könnten die Menschen wieder in ihr Leben und das Arbeitsleben zurückkehren. So würden schließlich alle davon profitieren. Auch Stingl verschwieg nicht die angespannte Lage der öffentlichen Haushalte. "Dennoch", so betonte er, "dürfen wir diese Daseinsvorsorge auf keinen Fall in der Zukunft vernachlässigen".
Was den Sozialpsychiatrischen Dienst im Kern ausmacht, das hob Barbara Habermann, zuständig als
Aline Zimmermann, Leitung des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg e. V. in Neu-Ulm, sagte bei der 15-Jahrfeier: „Niemand soll das Gefühl haben, dass seine Gefühle nicht wichtig genug sind.“Bernhard Gattner
Bereichs- und Referatsleitung für die Aufgabenfelder Sucht und Psychiatrie beim Diözesan-Caritasverband hervor: "Mit Wertschätzung, Fachlichkeit und Einfühlungsvermögen wollen wir unsere Arbeit leisten." Aline Zimmermann, die Leitung des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas in Neu-Ulm, verfolgt damit ein klares Ziel: "Niemand soll das Gefühl haben, dass seine Gefühle nicht wichtig genug sind."