Der Prälat-Johannes-Nar-Preis des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg
Die vom Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V. 2026 neu geschaffene Auszeichnung "Prälat-Johannes-Nar-Preis" würdigt die Verbindung von priesterlichem Sendungsbewusstsein, klaren Worten für die Kirche, Organisationsleistung und der Fähigkeit, kirchliche soziale Dienste zu vernetzen und wirksam zu machen.
Er richtet sich an Personen, die Verantwortung übernehmen, Brücken bauen, Strukturen gestalten und die christliche Nächstenliebe in konkrete Taten übersetzen. Damit ist der Preis nicht nur eine Erinnerung an eine bedeutende Persönlichkeit der Diözesangeschichte, sondern ein Impuls für Gegenwart und Zukunft:
Die Caritas der Zeit von Prälat Nar ist mit der heutigen nicht unmittelbar vergleichbar - Strukturen, Ressourcen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Doch die zentralen Aufgaben bleiben dieselben:
- Menschen in Not sehen
- kirchliche und gesellschaftliche Kräfte vernetzen
- organisatorische Lösungen entwickeln
- aus dem Glauben heraus handeln
Zur Person Prälat Johannes Narr: Ein Seelsorger mit organisatorischer Kraft
Prälat Johannes Nar (1890 - 1964) war der erste Diözesan-Caritasdirektor des 1921 gegründeten Augsburger Diözesan-Caritasverbandes. Die Herausforderungen, denen er sich stellen musste, waren enorm: Die Folgen des Ersten Weltkriegs - Hunger, Wohnungsnot, soziale Verwerfungen - prägten das Leben der Menschen tief. Nar reagierte nicht nur pastoral, sondern mit bemerkenswerter organisatorischer Kreativität.
Er initiierte Suppenküchen, organisierte Bettelaktionen bei Landwirten, entwickelte ein Caritas Rentenversicherungssystem zur Absicherung von Familien im Falle von Arbeitslosigkeit oder Tod des Ernährers. Für all dies gewann er die Kirchen vor Ort und die Gläubigen - durch Überzeugungskraft, durch klare Worte, durch die Glaubwürdigkeit eines Priesters, der die Not der Menschen sah und ernst nahm.
Netzwerker in Zeiten der Krise
Die wirtschaftliche Katastrophe der Inflation von 1929 stellte die Caritas erneut vor nahezu unlösbare Aufgaben. Obwohl kaum finanzielle Mittel zur Verfügung standen, gelang es Nar, kirchliche Hilfen zu bündeln, Netzwerke zu schaffen und die Solidarität der Gemeinden zu mobilisieren.
Auch während der Zeit des Nationalsozialismus führte er den Verband mit großer Umsicht. Ohne sich dem Regime anzudienen, ohne antisemitische Äußerungen, aber auch ohne heroische Gesten, blieb er dem Auftrag der Kirche treu. Sein Verhalten lässt sich als "widerständig für die Menschlichkeit" beschreiben - ein stiller, aber konsequenter Einsatz für das Evangelium in dunkler Zeit.
Helfer in der Nachkriegsnot
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Diözese und die Caritas erneut vor gewaltigen Aufgaben: Flüchtlingsströme, Hunger, Obdachlosigkeit. Nar koordinierte die kirchlichen Hilfen, unterstützte die Flüchtlingsarbeit - etwa im Lager an der Friedberger Straße - und blieb dabei immer Priester und Seelsorger. Seine Begeisterung für die Botschaft Jesu war die innere Kraftquelle seines Handelns.